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Sie ist „die, die sich auszieht“
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Büttenrednerin Christel Bode kombiniert Verskunst mit Tanz
/ Einzelkämpferin ohne Vereinsgelüste Wiesbaden. Christel Bode ist in der Garde der Büttenredner
eine der wenigen Frauen. In ihrer nunmehr vierten Kampagne nach einer
längeren Pause wird die quirlige 45-Jährige aus Wiesbaden über ihre
Erfahrungen am Kaufhaus-Wühltisch kalauern. Wenn sie den erfreuten Ausruf „Ach, Sie sind die, die sich
auszieht!“ hört, ist Christel Bode ziemlich begeistert. Denn dann hat die
gebürtige Wiesbadenerin, die nach einer längeren Pause in der nunmehr vierten
Fastnachts-Kampagne wieder voller Elan als Büttenrednerin „mitmischt“ eines
ihrer Ziele erreicht: Einen Wiedererkennungswert, eine persönliche Note, die
sie von anderen Büttenrednern abhebt und unterscheidet. Die 45-Jährige, die
sich auch als Malerin und Verfasserin von Gedichten betätigt, bedauert es,
dass in der hiesigen Fassenacht Büttenrednerinnen scheinbar weniger gefragt
sind als männliche Verse-Schmieder. Sie hat in dieser kurzen Kampagne zwar eine Reihe von
Auftritten, ihre Kapazität ist allerdings noch nicht völlig ausgeschöpft.
Nach ihren Auftritten als „Miss Geschick“ in der letzten Saison widmet sie
sich in ihrer neuen Büttenrede dem „Wühltisch-Fieber“, feiert damit am
Wochenende bei der Wiesbadener „Ratschengarde“ und bei den „Gockeln“ in
Taunusstein eine Doppel-Premiere – und zieht sich auch in ihrem Reden werden ein Jahr vorher geschrieben neuen Programm wieder aus. Jedenfalls so weit, dass unter
dem „leicht trottelig“ wirkenden Kostüm die Tanzbekleidung zum Vorschein
kommt, in der sie dann zu fetziger Musik los tanzt. Die Verwaltungsangestellte im Hessischen
Landesvermessungsamt tanzt „leidenschaftlich gerne“ und entschloss sich aus
diesem Grund für die sicherlich ungewöhnliche Kombination aus Büttenrede und
Tanz. Zwischen 15 und 20 Minuten dauert ihr Programm, für das sie die Reden
immer schon ein Jahr im voraus vorbereitet. Die Verse liegen dann monatelang
im Schreibtisch und werden erst kurz vor Beginn der neuen Kampagne wieder
heraus geholt und in ihre endgültige Form gebracht. Die wiederum kann sich innerhalb der närrischen Wochen
immer mal wieder verändern. Mit einem Haken (bei Applaus), einem Fragezeichen
(bei schwachem Applaus) und rigoroser Streichung einer mit völliger Stille
quittierten Textpassage reagiert sie auf die Reaktionen ihres Publikums, die
der Lebensgefährte auf Video fest hält. Er ist auch der Erste, der ihre Reden
zu hören bekommt – „aber die wirken im Wohnzimmer immer nicht so richtig“,
sagt sie. Über den „gescheiterten Versuch“ komische Gedichte zu
schreiben, kam Christel Bode zum Verfassen von Büttenreden, die sich nicht
mit aktuellen Ereignissen, sondern mit von ihr beobachteten und erlebten
Alltagssituationen beschäftigen – und auch deshalb keinem
Aktualisierungszwang unterliegen. Drei Reden hat sie noch „in petto“, die
nächsten Kampagnen sind folglich gesichert. Die 45-Jährige bezeichnet sich selbst als Einzelkämpferin,
die sich in dieser Rolle wohl fühlt. Sie gehört keinem Fastnachtsverein an
und wüsste auch gar nicht, in welchen sie eintreten sollte, ohne wiederum
anderen „auf die Füßchen zu treten“. Das „riesige“ Lampenfieber vor jedem Auftritt ist für
Christel Bode zum lieb gewordenen Begleiter geworden, der „Ohne Lampenfieber sollte man aufhören“ sich direkt beim ersten Satz verflüchtigt. „Ohne
Lampenfieber“, meint sie, „sollte man aufhören, denn dann ist es einem egal.“
Ihr sind die eigenen Auftritte keineswegs „egal“. Das
Gefühl, Menschen unterhalten und begeistern zu können, genießt sie und liebt
es, „von Bühne zu Bühne zu eilen“. Selbstverständlich immer im
„Zwiebel-Look“, bei dem zu guter Letzt das Tanzkostüm zum Vorschein kommt.
Schließlich ist sie die, die sich immer „auszieht“. |