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Sie ist „die, die sich auszieht“

 

Büttenrednerin Christel Bode kombiniert Verskunst mit Tanz / Einzelkämpferin ohne Vereinsgelüste

 
Vom 18.01.2002

Wiesbaden. Christel Bode ist in der Garde der Büttenredner eine der wenigen Frauen. In ihrer nunmehr vierten Kampagne nach einer längeren Pause wird die quirlige 45-Jährige aus Wiesbaden über ihre Erfahrungen am Kaufhaus-Wühltisch kalauern.

 
Von Kurier-Mitarbeiterin
Christina Oxfort

Wenn sie den erfreuten Ausruf „Ach, Sie sind die, die sich auszieht!“ hört, ist Christel Bode ziemlich begeistert. Denn dann hat die gebürtige Wiesbadenerin, die nach einer längeren Pause in der nunmehr vierten Fastnachts-Kampagne wieder voller Elan als Büttenrednerin „mitmischt“ eines ihrer Ziele erreicht: Einen Wiedererkennungswert, eine persönliche Note, die sie von anderen Büttenrednern abhebt und unterscheidet. Die 45-Jährige, die sich auch als Malerin und Verfasserin von Gedichten betätigt, bedauert es, dass in der hiesigen Fassenacht Büttenrednerinnen scheinbar weniger gefragt sind als männliche Verse-Schmieder.

Sie hat in dieser kurzen Kampagne zwar eine Reihe von Auftritten, ihre Kapazität ist allerdings noch nicht völlig ausgeschöpft. Nach ihren Auftritten als „Miss Geschick“ in der letzten Saison widmet sie sich in ihrer neuen Büttenrede dem „Wühltisch-Fieber“, feiert damit am Wochenende bei der Wiesbadener „Ratschengarde“ und bei den „Gockeln“ in Taunusstein eine Doppel-Premiere – und zieht sich auch in ihrem

Reden werden ein Jahr vorher geschrieben

neuen Programm wieder aus. Jedenfalls so weit, dass unter dem „leicht trottelig“ wirkenden Kostüm die Tanzbekleidung zum Vorschein kommt, in der sie dann zu fetziger Musik los tanzt.

Die Verwaltungsangestellte im Hessischen Landesvermessungsamt tanzt „leidenschaftlich gerne“ und entschloss sich aus diesem Grund für die sicherlich ungewöhnliche Kombination aus Büttenrede und Tanz. Zwischen 15 und 20 Minuten dauert ihr Programm, für das sie die Reden immer schon ein Jahr im voraus vorbereitet. Die Verse liegen dann monatelang im Schreibtisch und werden erst kurz vor Beginn der neuen Kampagne wieder heraus geholt und in ihre endgültige Form gebracht.

Die wiederum kann sich innerhalb der närrischen Wochen immer mal wieder verändern. Mit einem Haken (bei Applaus), einem Fragezeichen (bei schwachem Applaus) und rigoroser Streichung einer mit völliger Stille quittierten Textpassage reagiert sie auf die Reaktionen ihres Publikums, die der Lebensgefährte auf Video fest hält. Er ist auch der Erste, der ihre Reden zu hören bekommt – „aber die wirken im Wohnzimmer immer nicht so richtig“, sagt sie.

Über den „gescheiterten Versuch“ komische Gedichte zu schreiben, kam Christel Bode zum Verfassen von Büttenreden, die sich nicht mit aktuellen Ereignissen, sondern mit von ihr beobachteten und erlebten Alltagssituationen beschäftigen – und auch deshalb keinem Aktualisierungszwang unterliegen. Drei Reden hat sie noch „in petto“, die nächsten Kampagnen sind folglich gesichert.

Die 45-Jährige bezeichnet sich selbst als Einzelkämpferin, die sich in dieser Rolle wohl fühlt. Sie gehört keinem Fastnachtsverein an und wüsste auch gar nicht, in welchen sie eintreten sollte, ohne wiederum anderen „auf die Füßchen zu treten“.

Das „riesige“ Lampenfieber vor jedem Auftritt ist für Christel Bode zum lieb gewordenen Begleiter geworden, der

„Ohne Lampenfieber sollte man aufhören“

sich direkt beim ersten Satz verflüchtigt. „Ohne Lampenfieber“, meint sie, „sollte man aufhören, denn dann ist es einem egal.“

Ihr sind die eigenen Auftritte keineswegs „egal“. Das Gefühl, Menschen unterhalten und begeistern zu können, genießt sie und liebt es, „von Bühne zu Bühne zu eilen“. Selbstverständlich immer im „Zwiebel-Look“, bei dem zu guter Letzt das Tanzkostüm zum Vorschein kommt. Schließlich ist sie die, die sich immer „auszieht“.